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Die Apostrophenkatastrophe

Die unendliche Geschichte vom fatalen Nicht's

16 Nov. 09 | Autor: Sebastian Ugowski

So wie das Nichts das Land der Kindlichen Kaiserin, von Atreju und seinem Pferd Artax, sowie der Rennschnecke und dem Steinbeißer beinahe völlig vernichtete, wird wohl das Nicht’s unseren Wortschatz in einer ähnlich dramatischen unendlichen Geschichte ohne Mithilfe von Michael Ende bald gänzlich in Stücke gerissen haben. Eine unendliche Geschichte darüber, wie ein kleiner heimtückischer Virus in unsere Bücher, Foren, Webseiten, Werbungen und ja, sogar Gesetzesentwürfe, Pressemitteilungen und schlimmeren Schriftstücken Einzug hält: Das Apostroph. Welches selbst vor dem unendlichen Nichts! nicht halt macht…

Büro ApostrophitisWas oft ein unüberlegter Tastenklick in Fragen der Coolness oder dem Überspielen von Unsicherheit ist – wobei das eine das andere ja oft bedingt -, handelt es sich jedoch tatsächlich um einen der am wenigsten beachteten und sich immer weiter ausbreitenden Schreibfehler-Viren unserer Zeit. Die Krankheit hat auch einen Namen: Apostrophitis. Hier in Bildern festgehalten die verschiedenen Formen der Krankheit, z.B.: Büro Apostrophitis, Birkel-Nudel Apostrophitis, Croissant Apostrophitis und Röntgen Apostrophitis. Wobei bei letzterer nicht sicher ist, inwiefern Röntgenstrahlung beim Ausbruch der Krankheit eine Rolle spielt.

Nudel Apostrophitis

Zur Inkubationszeit und Entwicklungsgeschichte der Krankheit: Was flyingbartenders.de und das Erzbischöfliche Gymnasium St. Anna gemeinsam haben? Die Apostrophenkatastrophe. Schon länger erscheint das deutsche „Auslassungszeichen“, der Apostroph, in einer Art sächsischer Genitiv (Heidi’s Geburtstag, Tilo’s beste Freundin), was man zunächst noch als die neueste von vielen anglizistischen Albernheiten abtun konnte. Dann aber drang der Apostroph auch in die Pluralbildung vornehmlich solcher Substantive vor, die bei Kommunikations-Frenetikern beliebt sind (Hi Fan’s, wichtige Info’s, coole Link’s). Inzwischen sind die von dem Hochstrich zerteilten Wortbilder zu einer echten Landplage geworden, die einem das Lesen verleiden kann. Besonders böse erwischt hat es das Pronomen „nichts“.

Croissant Apostrophitis2.690 „Nicht’se“ findet die Suchmaschine Google Anfang Mai 2001 im Internet, und dabei werden nicht nur panische newsgrouppostings (kann nicht’s mehr downloaden) und verzweiflungsvolle Jungpoeten (Ich bin nicht’s. Nicht’s. Nur Dunkelheit und Schwärze.) auffällig, sondern auch das Erzbischöfliche Gymnasium St. Anna (wenn Sie mit der Kirche nicht’s am Hut haben), die Freiwillige Feuerwehr Laxenburg, von der wir das zuallerletzt erwartet hätten (Rasen bringt nicht’s), und schließlich die „Studiengemeinschaft Darmstadt“, die auf einer (orthographisch überhaupt sehr originellen) Seite die Situation mit einem gegen fortbildungsunwillige Phlegmatiker gerichteten Spruch ganz unfreiwillig und satirefrei auf den Punkt bringt: „Wissen ist Macht, nicht’s Wissen macht aber auch nicht’s!“

Der Apostroph verliert sich aber leider nicht im „Nicht’s“: Mittlerweile gibt’s auch schon den Bauer’n-Hof, das Spielzeug von Damal’s und den Weihnacht’s-Baum. Kein Zweifel mehr: Wir sind infiziert. Allerdings: Gegenmaßnahmen wurden eingeleitet, auch im Internet.

Mitstreiter im Kampf gegen die Apostrophitis:

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Kommentare, Autoren -und Lesermeinungen:

Insgesamt - 2 - Kommentare zum Artikel
“Die Apostrophenkatastrophe”

  1. Sebastian Ugowski Kommentar vom 16 Nov. 09 @ 16:57

    Für weitere Links und amüsante Fotos zu dem Thema sind wir natürlich allen Lesern dankbar.

  2. DerWaliser Kommentar vom 11 Dez. 09 @ 13:20

    hahaha, echt schön geschrieben! Danke für diesen amüsanten Artikel.

    Von Nicht’S kommt Nicht’S ;)

    macht weiter so!

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